Ostfriesland Cup 2023 - ein neues Gesicht
2023 – Sammy
Die Entwicklung des Ostfriesland Cups setzte sich unaufhaltsam fort. Die Prämien stiegen auf beeindruckende 32.000 Euro, doch zugleich kündigte sich ein Wandel an: Der Supercup wurde abgeschafft, nachdem das geplante Duell mit dem FC St. Pauli nicht wie geplant realisiert werden konnte. Stattdessen rückten zwei starke Partner weiter in den Mittelpunkt: das VW-Werk Emden und das Leeraner Softwarehaus Orgadata, die sich als Premiumsponsoren zunehmend profilierten.
Ein besonderer Moment des Jahres war das Grußwort von Turnierpatin Gitta Connemann. Ihre Worte verliehen dem Wettbewerb zusätzlichen Glanz: „Der Ostfriesland Cup ist ein Leuchtturm für den Amateurfußball in Ostfriesland."
Auch optisch erhielt das Turnier ein neues Gesicht: Maskottchen Sammy feierte sein Debüt und wurde fortan zum charmanten Begleiter aller Spiele. Parallel dazu erreichte die Organisation ein neues Niveau. Erstmals fand die Auslosung im Kinosaal des Vier-Sterne-Hotels Landgasthof Alte Post statt – eine Inszenierung, die an die Champions League erinnerte und die Vereinsvertreter damals wie heute nachhaltig beeindruckt.
Sportlich schrieb das Jahr 2023 ebenfalls Geschichte: Mit dem SV Wallinghausen gewann erstmals ein Bezirksligist den Titel. Ein Triumph, der eindrucksvoll zeigte, dass der Ostfriesland Cup immer wieder Raum für echte Sensationen bietet.
Abschaffung des Supercupspiels
Eigentlich hätte der Turniersieger von 2022, GW Firrel, im Sommer 2023 im Supercup auf den FC St. Pauli treffen sollen. Doch verschiedene Umstände führten dazu, dass dieses Spiel erst rund zwei Jahre später nachgeholt werden konnte. Die wiederkehrenden Unsicherheiten bei der Verpflichtung großer Vereine bewogen Adden und Bloem schließlich dazu, den Supercup vollständig aus dem Programm zu nehmen – obwohl mit dem damaligen Zweitligisten VfL Osnabrück bereits ein attraktiver Gegner gefunden und eine grundsätzliche Einigung erzielt worden war. Die Verträge lagen unterschriftsreif vor, wurden letztlich jedoch nicht mehr vollzogen.
Sammy – das neue Maskottchen des Ostfriesland Cups
Bis 2023 standen vor allem Ewald und Manfred Bloem als die prägenden Köpfe hinter dem Ostfriesland Cup. Doch in diesem Jahr erhielt das Turnier ein weiteres, unverwechselbares Gesicht. Gemeinsam mit Premiumpartner Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse entschied man sich – ganz wie bei großen Vereinen und internationalen Events – ein eigenes Maskottchen zu entwickeln.
Die Suche nach dem passenden Tier war lang und intensiv. Zur Auswahl standen Möwe, Robbe, Fisch – oder ein Löwe. Am Ende fiel die Entscheidung auf Letzteren. Und so wurde „Sammy" geboren: ein afrikanischer Löwe, gefertigt in den Niederlanden. „Der Löwe gilt traditionell als „König der Tiere", und wir spielen die ostfriesische Königsklasse", erklärte Manfred Bloem damals zur Entscheidung für einen Löwen als Maskottchen.
Ein spezialisiertes Designbüro, das weltweit Maskottchen entwickelt, lieferte innerhalb kürzester Zeit einen ersten Prototypen. „Als wir gesehen haben, wie Sammy aussehen könnte, waren wir sofort begeistert", erinnert sich Ewald Adden. Nur wenige Tage später machte sich eine Delegation des Ostfriesland Cups gemeinsam mit Stephan Hinrichs von der Brandkasse auf den Weg nach Groningen – mit einem klaren Ziel: Sammy persönlich abzuholen.
Inmitten hunderter anderer Maskottchen stand er schließlich: 2,34 Meter groß, im Ostfriesland-Cup-Trikot und ausgestattet mit einem Ventilator im Kopf, denn in so einem schweren Kostüm wird es bei warmen Temperaturen extrem heiß. Kühlung ist da unverzichtbar. Sammy war von nun an das neue Aushängeschild des Turniers
Qualifizierte Mannschaften
Für den Ostfriesland Cup 2023 qualifizierten sich folgende Teams:
GW Firrel, SF Larrelt, FC Loquard, SV Holtland, Blau-Weiß Borssum, TV Bunde, TuS Holtriem, SV Großefehn, TuS Middels, TuRa 07 Westrhauderfehn, VfB Uplengen, TuS Esens, SV Hage, SV Wallinghausen, TuS Eintracht Hinte und TuS Pewsum.
Warum Kickers Emden 2023 nicht mehr am Turnier teilnahm
Kickers Emden befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Phase des Umbruchs. Unter der neuen Vereinsführung um Henning Riesselmann wurde ein ambitionierter Neuaufbau angestoßen – mit dem klaren Ziel, den Verein perspektivisch wieder in höhere Ligen zu führen. Im Zuge dieser Neuausrichtung entschied sich der Klub gegen eine Teilnahme am Ostfriesland Cup.
Preisgelder von über 32.000 Euro
Der Ostfriesland Cup setzte auch 2023 seinen Wachstumskurs fort. Insgesamt konnten mehr als 32.000 Euro an Geld- und Sachpreisen ausgeschüttet werden. Damit blieb das Turnier deutschlandweit das mit Abstand höchst dotierte Amateurfußballturnier auf dieser Ebene und unterstrich erneut seinen besonderen Stellenwert in der regionalen Fußballlandschaft.
Die Auslosung – ein Abend in Champions-League-Atmosphäre
Ein ausgerolltes Ostfriesland-Cup-Banner, rund 60 leuchtend rote Kinosessel und eine große Leinwand, die sofort für Gänsehaut sorgte: Die Auslosung der ersten Runde erhielt 2023 ein völlig neues, beeindruckendes Ambiente.
„Unser Vorbild ist bekanntlich die Champions League. Und die beginnt für uns nicht erst mit dem Anpfiff, sondern bereits mit der Auslosung", erklärte Manfred Bloem im Vorfeld der Zeremonie.
Ein Kinosaal wird zur Bühne
Vertreter aller teilnehmenden Vereine sowie die Presse waren eingeladen – und viele blickten mit strahlenden Augen auf das, was die OC-Macher vorbereitet hatten. Als das Turnierbanner auf der Leinwand erschien und Ewald Adden, die unverwechselbare Stimme des Ostfriesland Cups, zum Mikrofon griff, war die Stimmung perfekt.„Liebe Fußballfreunde, endlich geht es wieder los. Rock 'n' Roll, Ostfriesland Cup – Only the best!" Ein Satz, der längst Kultstatus besaß und zum Turnier gehört wie der Ball zum Spiel.
Hochkarätige Paarungen und echte Kracher
Die Auslosung, unterstützt von Insa Beitelmann (Volkswagenwerk Emden) und Andreas Meinders (Orgadata, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), hatte es in sich. Immer wieder ging ein Raunen durch den Kinosaal des Landgasthofs Alte Post in Middels.
Ein echtes Hammerlos gleich zu Beginn: SF Larrelt gegen GW Firrel – zwei Schwergewichte direkt in Runde eins.Auch das Derby zwischen Turnier-Neuling Eintracht Hinte und Pewsum sorgte für Gesprächsstoff. „Ein richtiger Kracher – sowohl für die Zuschauer als auch sportlich", ergänzte Bloem.
Durch das besondere Ambiente im Kinosaal kamen die Vertreter der Vereine unmittelbar miteinander in Kontakt. Es wurde gelacht, gefrotzelt und diskutiert – ein lebendiger Austausch, der die besondere Atmosphäre des Ostfriesland Cups widerspiegelte.
Turnierpatin Gitta Connemann
Im Jahr 2023 übernahm die Bundestagsabgeordnete und gebürtige Ostfriesin Gitta Connemann die Schirmherrschaft des Ostfriesland Cup – Only the Best. Sie trat damit in die Fußstapfen prominenter Vorgänger: BVB-Geschäftsführer Hans Joachim Watzke (2021) und Ex-St.-Pauli-Trainer Timo Schultz (2022). Zugleich war sie die erste Frau, die dieses Amt bekleidete.
In ihrem Grußwort würdigte Connemann das Turnier mit eindrucksvollen Worten: „Der Ostfriesland Cup – Only the Best ist heel wat besünners. In Deutschland sucht man lange, um etwas Vergleichbares zu finden."
Sie hob sowohl das sportliche Niveau als auch das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement hervor:„Die Arbeit, die jeden Tag von Vereinen in Deutschland geleistet wird, findet im Ostfriesland Cup einen besonderen Leuchtturm. Hier ist eine großartige Idee zu einer einzigartigen Erfolgsgeschichte geworden. Weil sich Menschen wie Ewald Adden und Manfred Bloem weit über das normale Maß hinaus eingebracht haben."
Connemann betonte zudem die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs in der Region: „Fußball hat in Ostfriesland eine lange Tradition. Seit jeher bringt er die Menschen zusammen – im Wettkampf und als Zuschauer. Freundschaften entstehen an der Seitenlinie. Und auf dem Platz sind alle gleich. Deshalb ist jedes Spiel in jeder Liga eine Bereicherung."
Abschließend unterstrich sie den Wert des Turniers für die regionale Sportkultur: „Der Ostfriesland Cup schenkt Sport und Sportlern größte Wertschätzung. Dafür bin ich zutiefst dankbar."
Das Turnier 2023 – Ein Fußballfest voller Überraschungen, Dramatik und Emotionen
Das Turnier 2023 begann, wie große Fußballgeschichten beginnen: mit einem Moment, der niemanden vorbereitet traf und der sofort klar machte, dass in diesem Wettbewerb alles möglich sein würde. Schon am ersten Abend wurde die ostfriesische Fußballwelt auf den Kopf gestellt – und am Ende stand ein Sieger, mit dem vor dem Anpfiff kaum jemand gerechnet hatte. Es war das Jahr des Wallinghauser Märchens.
Ein Start voller Paukenschläge
Die Sportanlage von Grün Weiß Firrel verstummte, als der Landesligist und Topfavorit völlig überraschend mit 0:1 gegen die Sportfreunde Larrelt ausschied. Zum ersten Mal überhaupt scheiterte Firrel in Runde eins – ein Schock, der das gesamte Turnier elektrisierte.
Auch in Emden bebte der Boden: Der TV Bunde rang den Borssumern in letzter Sekunde einen Sieg ab und rettete sich mit letzter Kraft ins Viertelfinale. Schon jetzt war klar: Dieses Turnier würde keine gewöhnliche Ausgabe werden.
Viertelfinale – Der Tod von Mitbegründer Holger Stenken: Vier Spiele, vier Geschichten
Die Viertelfinalspiele des Ostfriesland Cups standen unter dem Eindruck eines sehr traurigen Ereignisses. Am 20. Juli 2023 verstarb Holger Stenken, Mitbegründer und langjähriger Sponsor des Turniers, nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von nur 68 Jahren.
In Übereinstimmung mit Holgers Wunsch entschieden seine Witwe Barbara und das gesamte Organisationsteam, das Turnier fortzuführen und ihm damit auch sportlich ein würdiges Andenken zu bewahren.
Vor dem zweiten Viertelfinalspiel zwischen dem TV Bunde und dem SV Großefehn wurde Holger Stenken mit einer Schweigeminute geehrt. Moderator Ewald Adden richtete zuvor einige bewegende Worte an die Zuschauer. Beide Mannschaften liefen mit Trauerflor auf und setzten damit ein sichtbares Zeichen des Respekts.
Die Viertelfinalspiele
Die Runde der letzten Acht brachte dann alles, was den Cup so besonders macht:
• Larrelt fegte Holtland mit 5:0 vom Platz – ein Statement.
• Großefehn kämpfte sich in Bunde zu einem 2:1 Erfolg.
• Esens musste in Middels erneut ins Elfmeterschießen und gewann nervenstark mit 8:7.
• Wallinghausen setzte sich in einer echten Regenschlacht mit 2:0 gegen Pewsum durch.
Vier Teams, vier Wege – und ein Halbfinale, das an Dramatik kaum zu überbieten war.
Halbfinals – Drama pur
Drei Bezirksligisten und ein Landesligist standen sich gegenüber. Der SV Großefehn löste seine Aufgabe souverän und gewann in Larrelt mit 2:0. Damit war klar: Das Finale würde im eigenen Stadion stattfinden.
In Esens jedoch entwickelte sich ein Fußballkrimi. Die Gastgeber, bereits vom Elfmeterschießen in Middels gezeichnet, lieferten sich mit Wallinghausen ein hochklassiges Duell auf Augenhöhe. Chancen, Tempo, Emotionen – und am Ende völlige Erschöpfung. Erst ein Konter in der Verlängerung brachte das erlösende 3:2 für Wallinghausen. Der Traum vom Finale war Realität.
Das Finale – 120 Minuten, die ein Dorf veränderten
Am 29. Juli 2023 strömten rund 1000 Zuschauer nach Großefehn. Die Kulisse war würdig, die Spannung greifbar. Ein Derby im Endspiel – Wallinghausen gegen Großefehn. Ein Spiel, das niemand vergessen sollte.
Die reguläre Spielzeit brachte keine Entscheidung. Beide Teams warfen alles hinein, beide hatten ihre Momente. Es war ein Abnutzungskampf, wie er im Buche steht.
Dann die 109. Minute: Lukas Günsel fasste sich ein Herz – ein Schuss, ein Strich, ein Tor. Ein Jubelorkan brach los. Ein Dorf im Ausnahmezustand.
Als der Schlusspfiff ertönte, brachen alle Dämme. Spieler, Fans, Familien – sie feierten weit über den Abpfiff hinaus auf der Anlage des SVG. Der SV Wallinghausen hatte das Unmögliche möglich gemacht: Ein Bezirksligist als Turniersieger. Ein Kapitel, das in Wallinghausen wohl noch Jahrzehnte erzählt werden wird.
Fazit – Ein Turnier, das in Erinnerung bleibt
Das Turnier 2023 zeigte eindrucksvoll, warum der Fußball so viele Menschen begeistert. Überraschungen, klare Favoritensiege, dramatische Wendungen und emotionale Höhepunkte prägten jede Runde. Larrelt begeisterte als Underdog, Großefehn bot als Gastgeber eine fantastische Bühne – und Wallinghausen schrieb als Bezirksligist Geschichte.
Es war ein Turnier, das sportlich wie atmosphärisch Maßstäbe setzte. Ein Turnier, das bewies, dass Leidenschaft, Teamgeist und Mut manchmal mehr zählen als jede Ligazugehörigkeit.
Und nun? Die Grün Weißen gehen als Titelverteidiger ins neue Jahr – und ausgerechnet zum Auftakt kommt es zum Wiedersehen mit dem TuS Esens. Ein Start, der kaum verheißungsvoller sein könnte.