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2020 - Zwischen Aufbruch, Mut und Pandemie

Der Ostfriesland Cup 2020

Ein Turnier zwischen Aufbruch, Mut und Pandemie


Als der Ostfriesland Cup 2019 zu Ende ging, war den Organisatoren eines klar: Wenn das Turnier weiter wachsen sollte, musste sich auch die Logistik weiterentwickeln. Der Transport von Musikanlage, Werkzeug, Bannern, Bällen, Ballständern und vielem mehr war mit privaten PKW kaum noch zu bewältigen. Ein eigenes Turnierfahrzeug musste her – doch wie finanzieren?

Ein Bulli wird zum Blickfang

Die Lösung fand sich schnell: Ein VW T5 mit neun Sitzplätzen und großer Ladefläche wurde bei unserem Partner Gebr. Schwarte schnell gefunden. Doch ein weißer Bulli allein war nicht genug. Er sollte ein Hingucker werden – ein rollendes Aushängeschild des Turniers.

Die Idee: Sponsorenlogos nicht einfach nebeneinanderkleben, sondern kreativ inszenieren. Gemeinsam mit der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse entstand ein außergewöhnliches Konzept: Ein großes Fußballstadion als Hintergrund, darauf die Logos der Partner wie Spieler auf dem Feld verteilt. Aus einem schlichten Transporter wurde ein einzigartiges Fahrzeug, das die Identität des Turniers perfekt widerspiegelte.

Anfang 2020 erfolgte die offizielle Übergabe – zu einem Zeitpunkt, als die Welt noch in Ordnung schien. Niemand ahnte, dass nur wenige Wochen später eine Pandemie das öffentliche Leben zum Stillstand bringen würde.


Corona – und der Ostfriesland Cup trotzt der Krise

Während Sportveranstaltungen reihenweise abgesagt wurden, hielten die Initiatoren Adden und Bloem an ihrer Vision fest. Sie planten weiter, passten an, entwickelten neu – und hatten am Ende das nötige Quäntchen Glück.

Ein neues Format für besondere Zeiten

Schon vor der Pandemie war klar: 2020 sollte ein Wendepunkt werden. Statt acht Mannschaften sollten erstmals 16 Teams teilnehmen – darunter die fünf besten Vereine der Ostfrieslandliga. Die Gruppenphase wurde abgeschafft, stattdessen gab es Einzelspiele über die volle Distanz im direkten K.o.-Modus. Gespielt wurde nicht mehr nur in Loga und Firrel, sondern auf Sportanlagen in ganz Ostfriesland. Ein mutiger Schritt, der vielen Vereinen zusätzliche Einnahmen ermöglichte.

Auslosung unter besonderen Bedingungen



Die Achtelfinal-Auslosung fand – anders als sonst – im kleinen Kreis statt. Rechtsanwalt Stefan Schüür überwachte die Ziehung persönlich. Aufgrund des Saisonabbruchs wurde die Quotientenregel angewendet, um die qualifizierten Teams zu bestimmen. Am Ende standen 16 Mannschaften fest, nämlich Kickers Emden (Oberliga), GW Firrel, Germania Leer (Landesliga), TuRa 07 Westrhauderfehn, TV Bunde, SV Frisia Loga, TuS Esens, SF Larrelt, SV Großefehn, TuS Strudden, TuS Middels (Bezirksliga) und SV Holtland, SV Hage, TuS Weene, SG Jheringsfehn/Stikelkamp, RSV Visquard (Ostfrieslandliga)

Der SV Großefehn nahm nach einem klärenden Gespräch seine Absage zurück. Um frühe Duelle der Topteams zu vermeiden, wurden höherklassige Mannschaften in getrennten Lostöpfen geführt. Die Gastgeber GW Firrel und Frisia Loga waren gesetzt. Did Auslosung ergab dann die nachfolgenden Paarungen, wobei die Spieltermine zum Zeitpunkt der Auslosung noch nicht feststanden.


Trotz der Corona-Pandemie konnten Adden und Bloem die Preisgelder erneut anheben. Insgesamt wurden 2020 fast 22.000 Euro ausgelobt – ein starkes Signal für den Stellenwert des Turniers.

Doch dann schlug Corona richtig zu. Der Amateurfußball lag brach, die Saison 2019/20 wurde abgebrochen, und lange war unklar, ob der Ostfriesland Cup überhaupt stattfinden durfte. Eine zentrale Bedingung blieb: Zuschauer mussten zugelassen werden, denn ohne Eintrittsgelder war das Turnier nicht finanzierbar.

Durchführung unter Auflagen – und ein Rekordmoment

Trotz aller Unsicherheiten entschieden die Organisatoren: Der Ostfriesland Cup 2020 findet statt – egal wann. Und tatsächlich: Lockerungen im Sommer machten das Unmögliche möglich. Als einziges Amateurturnier seiner Art durfte der Ostfriesland Cup ausgetragen werden – mit bis zu 400 Zuschauern pro Spiel.

Ein bemerkenswerter Fakt: Der Ostfriesland Cup hatte 2020 mehr Zuschauer als das Champions-League-Finale, das pandemiebedingt ohne Publikum stattfand.

Die mediale Aufmerksamkeit ließ nicht lange auf sich warten. SAT.1 und der NDR berichteten über das außergewöhnliche Turnier – ein Ritterschlag für die Veranstalter.

Im Finale setzte sich GW Firrel durch und krönte sich zum Sieger eines Jahres, das niemand so schnell vergessen wird.













Fazit: Ein Turnier, das Geschichte schrieb

Der Ostfriesland Cup 2020 war mehr als ein Fußballturnier. Er war ein Symbol für Mut, Kreativität und Zusammenhalt in einer Zeit, in der vieles stillstand. Die Organisatoren bewiesen, dass mit Leidenschaft und kluger Planung selbst unter widrigsten Umständen Großes möglich ist.

Der Cup bleibt ein Beispiel dafür, wie Sport auch in Krisenzeiten weiterleben kann – wenn Menschen bereit sind, neue Wege zu gehen.

Bilder; V. Patten

 

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